Der folgende Text ist Teil unseres Dossiers zu internationalen Perspektiven und Solidarität in der Corona-Krise.

Statement von Martina Caironi (Bologna/Italien)

In Italien gibt es einige Gebiete, einige Städte sind stärker betroffen. Meine Familie und meine engsten Freund*innen leben in Bergamo, wo es zwei Ausbrüche des Virus gegeben hat. Dort ist die Lage sehr ernst und die Sirenen der Krankenwagen klingeln seit über einem Monat durchgehend. Auf dem Friedhof von Bergamo gab es keinen Platz mehr für die Toten, und sie mussten sie woanders verbrennen. Krankenhäuser stehen am Rande des Zusammenbruchs; vor einigen Wochen gab es einen Moment, als die Gesundheitssysteme tatsächlich zusammenbrachen und die Ärzt*innen im Krankenhaus entscheiden mussten, welchen Patient*innen sie Vorrang einräumen wollten. So kam es vor, dass ältere Menschen das Beatmungsgerät an jüngere Menschen abgeben mussten.

Die Familien bleiben zu Hause und haben Angst, aber es gibt immer Personen, die nach einem Schlupfloch suchen, um nicht zu Hause zu bleiben; sie werden oft von der Polizei erwischt und mit einer Geldstrafe belegt. Jetzt ist das zivilgesellschaftliche Gewissen langsam immer lebendiger geworden, und die Menschen haben endlich verstanden, dass mit dieser Pandemie nicht zu scherzen ist.

Hier in Bologna, wie in ganz Italien, gibt es das Dekret unseres Ministerpräsidenten Conte, das vorsieht, dass man nur aus Gründen strikter Notwendigkeit raus gehen darf und dies auch beweisen können muss. Es gibt ein Selbsterklärungsformular, das bei jeder Polizeikontrolle ausgefüllt werden muss, um zu erklären, wohin man geht und warum. Das letzte Dekret sieht vor, dass bis Anfang Mai alle Aktivitäten ausgesetzt bleiben müssen.

Ich bin professionelle paralympische Leichtathletin und konnte seit vier Wochen nicht mehr Leichtathletik trainieren, obwohl ich das alleine gemacht hätte. Jetzt trainiere ich zu Hause und mache Online-Aktivitäten für Schulen oder Videos für diejenigen, die mich um einen Beitrag bitten. Wenn ich einkaufen gehe, gibt es immer eine Schlange vor den Supermärkten, und Menschen mit Masken und Handschuhen warten mindestens anderthalb Meter voneinander entfernt. Ich kann an der Warteschlange vorbeigehen, weil ich behindert bin, und so vermeide ich stundenlanges Warten. Neulich lief ich in meiner Nachbarschaft umher, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Eine Dame, die aus der entgegengesetzten Richtung kam, stieg vom Bürgersteig ab, um zwei Meter Abstand von mir zu halten; das erschien mir übertrieben, aber heutzutage ist Vorsicht anscheinend nie genug.

Die Regierung hat am Anfang leichtfertig gehandelt. Vorbeugende Maßnahmen wurden erst ergriffen, als der Schaden bereits angerichtet war. Die Daten der Ansteckung scheinen bereits am 30. Januar vorgelegen zu haben, aber es wurde bis zum 8. März gewartet, um ganz Italien zu schließen. Zuerst schlossen sie die Lombardei, das ist die Region, in der Bergamo liegt, aber es war bereits zu spät. Nun hängt ganz Italien von den Entscheidungen der Regierung ab, etwa davon, wann die Aktivitäten und Geschäfte wieder aufgenommen werden oder welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Finanzkrise, die alle betrifft, gelöst werden kann. Zum Beispiel erhalten viele Arbeitnehmer*innen eine Entschädigung von 600€.

Ich sehe Verbände, die Gelder für Krankenhäuser sammeln. Ich sehe Menschen auf allen Seiten, die versuchen, etwas zu tun. Es gibt Freiwillige, die Lebensmittel zu denen nach Hause bringen, die sie brauchen, es gibt Köche, die freiwillig für die Krankenschwestern kochen. Im Allgemeinen gibt es Solidarität mit denen, die sich jetzt Tag und Nacht dafür einsetzen, die Pandemie zu stoppen. Die Linke wird wieder von unten beginnen können, denn sie weiß, wie sie all jene Menschen unterstützen kann, die bereits zu den Geringverdiener*innen gehörten und die sich nach dieser Krise noch mehr „mit dem Hintern auf dem Boden“ wiederfinden werden. Die Linke wird dafür sorgen müssen, dass denjenigen, die sich die Grunddienste nicht leisten können, diese kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

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In Italia ci sono alcune zone, alcune città più colpite. La mia famiglia e i miei più cari amici vivono a Bergamo, dove ci sono stati due focolai del virus. Là la situazione è molto pesante ed è più di un mese che le ambulanze non smettono di suonare. Non c’era più spazio per i morti al cimitero di Bergamo e hanno dovuto portarli altrove per cremarli. Gli ospedali sono al limite del collasso; c’è stato un momento qualche settimana fa in cui sono davvero collassati i sistemi sanitari e in ospedale i medici dovevano decidere a quali pazienti dare la priorità. Così accadeva che i più anziani dovessero cedere il respiratore ai più giovani.

Le famiglie stanno in casa e hanno paura, ma c’è sempre qualche furbo che cerca una scappatoia per non rimanere in casa; spesso vengono presi e multati dalle forze dell’ordine.

Ora piano piano la coscienza civile si è fatta più viva e la gente ha finalmente capito che non si scherza con questa pandemia.

Qui a Bologna, come in tutta Italia vige il decreto di Conte, il nostro presidente del consiglio, che prevede che si possa uscire solo per ragioni di stretta necessità e bisogna poterlo dimostrare (c’è un modulo di autodichiarazione da compilare ogni volta che ti fermano le forze dell’ordine, per spiegare dove stai andando e perché). Per ora, l’ultimo decreto emesso prevede che ci sia il blocco totale delle attività fino al 3 maggio.

Io sono atleta professionale paralimpica e sono quattro settimane che non posso più allenarmi al campo di atletica, nonostante ci andassi da sola. Ora mi alleno a casa e faccio attività online per le scuole o video per chi mi chiede un contributo. Quando vado a fare la spesa c’è sempre fila fuori dai supermercati e la gente con la mascherina e i guanti aspetta ad almeno un metro e mezzo di distanza l’una dall’altra. Io posso passare la fila perché sono disabile e quindi evito ore di attesa.

L’altro giorno stavo facendo un giro a piedi nel mio quartiere perché non riuscivo più a stare senza camminare e una signora che veniva in senso opposto è scesa dal marciapiede per mantenere una distanza di due metri da me; mi è sembrata esagerata, ma di questi tempi la prudenza non è mai abbastanza, a quanto pare.

Il governo ha avuto un primo periodo di leggerezza, le misure preventive sono state prese quando già il danno era stato fatto. Pare che i dati del contagio li avessero già il 30 gennaio, ma hanno aspettato solo l’8 marzo per chiudere tutta Italia. Prima hanno chiuso la Lombardia (che è la regione dove c’è Bergamo), ma era già troppo tardi. Ora tutta Italia dipende dalle decisioni del governo: quando riaprire le attività, i vari indennizzi (per esempio c’è un bonus di 600 euro per molti lavoratori), come risolvere la crisi finanziaria che coinvolge tutti.

Io vedo le realtà di associazioni che raccolgono fondi per gli ospedali. Non vedo la politica, ma vedo le persone che da ogni lato cercano di fare qualche cosa. Ci sono volontari che con la pettorina di “emergency” portano a casa la spesa a chi ne ha bisogno, ci sono cuochi che volontariamente cucinano per gli infermieri e in generale c’è una solidarietà nei confronti di chi ora dedica notte e giorno per cercare di fermare la pandemia. La sinistra potrà ripartire dal basso come sa fare per dare sostegno a tutte quelle persone che già appartenevano ad una fascia di reddito basso e che dopo questa crisi si troveranno ancora di più “con il culo per terra”. La sinistra dovrà far sì che i servizi basilari vengano consentiti gratuitamente a chi non se li può permettere ed evitare un impennata delle tasse.

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