Der folgende Text ist Teil unseres Dossiers zu internationalen Perspektiven und Solidarität in der Corona-Krise.

Statement von Enrico (Forlì/Italien)

In Italien hat sich unser Leben am 9. März grundlegend verändert. An diesem Tag wurde der „DPCM“ veröffentlicht (ein Erlass des Premierministers, ein gesetzgeberisches Notfallinstrument, das das Parlament umgeht), mit dem viele individuelle Freiheiten, die wir alle für selbstverständlich hielten, außer Kraft gesetzt wurden. Seit diesem Tag gab es mehrere folgende Dekrete, die Mobilität, Aktivitäten und Freiheiten zunehmend eingeschränkt haben. Anfangs reagierten die Menschen mit einer fast schon positiven „Aufregung“ auf diese neuen Zustände, in die alle nun verwickelt waren: Sie sangen von den Balkonen aus, tranken mit Freund*innen in Videokonferenzen, es entstanden lustige Memes über die Situation.

Doch die Euphorie hielt nicht lange an. Nach einer Woche voller Tage, die vor allem von den Zahlen der Todesopfer geprägt war, durch den täglichen Bericht des Katastrophenschutzes um 18 Uhr, in dem die Zahl jeden Tag schlechter wurde als am Vortag, nachdem die ersten Arbeiter*innen ihre Arbeit, ihr Einkommen, ihren Lohn, ihre Perspektive verloren hatten, nach all dem war die Euphorie vorbei. Und es kam die Angst, die Ungewissheit.

Es traten nun beunruhigende Phänomene auf: zunehmend autoritäre und willkürliche Ordnungskräfte und Strafverfolgung, Misstrauen unter den Bürger*innen, Denunziation von Menschen, die auf der Straße gesehen wurden (und die teilweise sogar öffentlich an den sozialen Pranger gestellt wurden), Streitigkeiten und Nervosität in Supermärkten etc.

Die Regierung (die zentrale wie die regionale) hat etwas zu spät gehandelt, aber das war unvermeidlich, da niemand wirklich erwartet hat, was passieren würde. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Not waren hart, wurden aber bisher von vielen akzeptiert. Die Zustimmung für die Regierung ist die höchste, den sie je hatte.

Nun wird von verschiedenen Seiten gefordert, nicht mehr nur Tag für Tag zu leben und auf die Zahlen der Opfer zu warten, sondern damit zu beginnen die Zukunft zu planen, eine Perspektive zu entwickeln, sich einen Neubeginn vorzustellen, sich eine „Wieder-Öffnung“ auszumalen, eine (wenn auch schrittweise) Rückkehr in die Freiheit. Der Mangel an Perspektive und Vertrauen in die Zukunft birgt die Gefahr einer individuellen Depression, die diesmal allerdings auch kollektiv ist und zu extrem hohen sozialen Schäden führt (möglicherweise sogar größer als die des Virus selbst).

Meiner Ansicht nach werden die Menschen, sobald die Regierung beginnt, die Beschränkungen zu lockern, an verschiedenen Fronten Solidarität zeigen müssen: Wirtschaftliche Solidarität, Hilfe für diejenigen, die kein Einkommen mehr haben (durch bestimmte Formen von Organisationen, des Verbandswesens, Spendenaufrufen, Wohltätigkeitsorganisationen usw.); aber, was vielleicht noch wichtiger ist: soziale Isolation muss auch in Zukunft verhindert werden, insbesondere für Menschen, die allein sind und wie wir alle gerade für eine lange Zeit keine sozialen Kontakte haben. Ich spreche von Bars, Clubs, sozialen Zentren, von künstlerischen Gruppen, von Musik, von Konzerten. Ich spreche vom gesellschaftlichen Leben, das für viele Menschen eine Energiequelle, ihr Lebenselixier darstellt. Solidarität wird also auch eine (Neu-)Organisation all jener Räume und Momente des Sozialen bedeuten, die es nicht mehr gibt. Dazu wird es notwendig sein, das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen der Achtung der gesetzlichen Bestimmungen, einem gesunden Menschenverstand bei Durchsetzung von Maßnahmen zu individuellem Schutz und dem Bedürfnis nach Sozialem zu finden.

Diejenigen, die aus dieser Krise zermürbt und kaputt herausgehen werden, werden nicht diejenigen sein, die bereits ein sicheres Einkommen und ein robustes soziales Netz hatten, sondern diejenigen, die bereits vor ihr prekär gelebt haben, Studierende, fern von zu Hause, einsame Menschen, die sozial Abgehängten. Die Gesellschaft wird wieder zusammengeflickt werden müssen, und ich glaube, dass sie das nur kann, wenn sie die Verantwortung dafür übernimmt, niemanden zurückzulassen.

***

In Italia la nostra vita è cambiata il 9 marzo. Quel giorno è stato pubblicato il primo DPCM (Decreto del Presidente del Consiglio, strumento legislativo emergenziale che scavalca il Parlamento) che, di fatto, sospendeva molte libertà individuali che ormai davamo tutti per scontato. Da quel giorno si sono susseguiti diversi decreti che hanno sempre più ristretto il movimento, le attività, le libertà. Inizialmente la gente ha reagito quasi con “eccitazione” a questa nuova condizione che vedeva tutti coinvolti: si cantava dai balconi, si facevano aperitivi in videocall con gli amici, si creavano meme divertenti sulla situazione.

Ma l’euforia è durata poco. Dopo una settimana di giornate scandite dalla conta dei morti, dal bollettino della Protezione Civile delle 18 in cui ogni giorno i numeri erano peggiori del giorno precedente, dopo che i primi lavoratori hanno iniziato a perdere il lavoro, il reddito, uno stipendio, una prospettiva, ecco, dopo tutto questo, l’euforia è finita. Ed è subentrata la paura, l’incertezza. Sono iniziati ad apparire fenomeni preoccupanti: forze dell’ordine sempre più autoritarie e arbitrarie, diffidenza tra cittadini, delazioni di persone che denunciano (mettendo anche pubblicamente alla gogna social) altre persone che vedono per strada, litigi e nervosismo ai supermercati, ecc.

Il Governo (centrale e regionale) ha agito un po’ in ritardo, ma questo era inevitabile visto che nessuno si aspettava veramente ciò che sarebbe successo. Le misure per contenere l’emergenza sono state dure ma, finora, accettate da molti. Il consenso del Governo è il più alto che abbia mai avuto.

Ora però da più parti, si chiede di smettere di vivere la giornata e aspettare i numeri delle vittime, ma di cominciare a progettare il futuro, di dare una prospettiva, di immaginare una ripartenza, una riapertura, un ritorno della libertà (seppure graduale). La mancanza di prospettiva e di fiducia nel futuro rischia di causare una depressione individuale che, questa volta, è anche collettiva, portando a danni sociali estremamente alti (probabilmente anche maggiori di quelli del virus stesso).

Secondo il mio punto di vista, appena il Governo inizierà ad allentare le restrizioni, le persone dovranno praticare solidarietà su vari fronti: quello economico e di aiuto a chi non ha più un reddito (tramite forme di associazionismo, raccolta fondi, enti caritatevoli, ecc.); ma, forse ancora più importante, si dovrà evitare l’isolamento sociale, soprattutto di quelle persone che sono sole e, come tutti, non avranno più per molto tempo occasioni di socialità. Parlo dei bar, dei circoli, dei centri sociali, di gruppi d’arte, di musica, dei concerti. Parlo della vita sociale del Paese, che per molti rappresenta la linfa vitale della propria vita. Quindi la solidarietà sarà anche quella di (ri)organizzare tutti quegli spazi e quei momenti di socialità che non ci sono più. E, per farlo, bisognerà trovare il giusto equilibrio tra legalità (rispetto delle disposizioni di legge), buon senso nell’utilizzo dei dispositivi e delle misure di protezione individuale, e necessità di socialità.

Chi uscirà a pezzi da questa crisi non sarà chi aveva già un reddito garantito e una rete sociale robusta, ma saranno quelli che erano precari, gli studenti fuori sede, le persone sole, gli ultimi. Ci sarà da ricucire la società e, credo, lo potrà fare solo si assumerà la responsabilità di non lasciare indietro nessuno.

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