Ein Jahr Rache am Patriarchat

Heute vor einem Jahr haben wir – Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre und trans Personen (FLINT*) der Gruppe *aze – wie viele andere Betroffene, von sexualisierter Gewalt in unserem unmittelbaren Umfeld erfahren. Sexualisierte Gewalt an uns selbst. Der Täter ist ein Cis-Mann, von dem wir dachten, er sei unser Genosse, der ein linkes Festival mitorganisiert hat und jahrelang in unseren Strukturen eingebunden war. Er hat uns auf diesem Festival, Monis Rache, heimlich auf Dixi-Klos gefilmt und diese Videos über das Streamingportal xHamster online angeboten, sie getauscht und verkauft. Keine der gefilmten Personen wusste davon.

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Vorwurf: Feminismus

Im letzten Jahr wurden Aktivist*innen, die gegen den fundamentalistischen „Marsch für das Leben“ und für reproduktive Rechte von Schwangeren protestierten, von der Polizei gekesselt. Nun werden den Menschen verschiedene Vorwürfe gemacht und sie werden angeklagt. Wir veröffentlichen hier das Statement einer Aktivistin vor Gericht.

Feminism is not a crime

Wir stehen vor Gericht, weil unsere Proteste kriminalisiert werden. Weil das, wofür wir kämpfen müssen und das, woran wir glauben wollen, tagtäglich all unseren Mut abverlangt und uns auf die Straße zwingt.

Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen

Ich stehe vor Gericht, weil ich nicht hinnehmen will, dass Schwangerschaftsabbrüche noch länger tabuisiert und illegalisiert werden. Und weil ich mit dieser Überzeugung auf die Straße gegangen bin. Seit 149 Jahren schon stellen sich Generationen von Feminist*innen entschieden und lautstark gegen die staatliche Aberkennung der Selbstbestimmung über den eigenen Körper – gegen Gesetze, die ihren Ursprung im Deutschen Kaiserreich und in der Nazizeit haben. Und noch heute, im Jahr 2020 gilt in Deutschland: Schwangerschaftsabbrüche werden kriminalisiert, Betroffene und Ärzt*innen werden stigmatisiert.

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Antirep-Radio: Fundi-Blockade und Strafrecht

Im letzten Jahr wurden Aktivist*innen, die gegen den fundamentalistischen „Marsch für das Leben“ und für reproduktive Rechte von Schwangeren protestierten, von der Polizei gekesselt. Nun werden den Menschen verschiedene Vorwürfe gemacht. Wir haben mit zwei Aktivist*innen gesprochen und außerdem zwei Gruppen von der Berliner Antirepressionsplattform eingeladen. Hört rein!

Außerdem: Maske für Angry Queers bei Black Mosquito
https://black-mosquito.org/de/gesichtsmaske-angry-queers-soli.html

Und nicht vergessen: Wir wollen nur eure Kohle!

Rote Hilfe e.V.
Verwendungszweck „Pro Choice“
GLS-BankKonto-Nr.:

4007 238 317BLZ: 430 609 67   
    
IBAN: DE55 4306 0967 4007 2383 17
BIC: GENODEM1GLS

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Feminism is not a crime! Feministische Proteste statt Fundis und Polizei!


Feministische Aktivist*innen werden mit Repression überzogen. Doch wir lassen uns nicht unterkriegen! Spendet und zeigt euch solidarisch mit den Protesten gegen christlichen Fundamentalismus und für reproduktive Rechte! Spendenkonto steht unten! #FeministAsHell

Seit 2008 protestieren wir lautstark, kreativ und voller Elan gegen den christlich-fundamentalistischen „Marsch für das Leben“, bei dem jährlich selbsternannte „Lebensschützer“ ein generelles Verbot von Abtreibungen fordern. Mit Blockaden und unter tatkräftiger Unterstützung von tausenden Feminist*innen, Queers und Antifaschist*innen wurde der Marsch in den letzten Jahren gestört und verzögert, die christlichen FundamentalistInnen mussten ihre geplante Route verändern und abkürzen. Mit unseren queer-feministischen Demos tragen wir unsere Inhalte für körperliche und sexuelle Selbstbestimmung auf die Straße.

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19.9.: „Marsch für das Leben“?! – What the fuck!

Am 19. September 2020 findet in Berlin der „Marsch für das Leben“ statt. Trotz Corona-Ansteckungsrisiko wollen die selbsternannten „Lebensschützer“ auch dieses Jahr mit bis zu 5.000 Menschen gegen Abtreibung und körperliche Selbstbestimmung demonstrieren. Das What-the-Fuck-Bündnis ruft zu Protesten auf. Hier veröffentlichen wir ihren Aufruf.


Unter dem Deckmantel des „Lebensschutzes“ propagiert der „Marsch für das Leben“ ein christlich-fundamentalistisches Weltbild . Entgegen des vorgeblichen Ziels ist für sie jedoch nicht jedes Leben gleich schützenswert: Bedacht wird dabei stets nur das „ungeborene Leben“, nicht die Lebensgefahr, in die schwangere Personen durch Abtreibungsverbote gebracht werden. Außerdem vertreten sie konservative Geschlechterrollen, eine rigide Sexualmoral, sind homo- und transfeindlich und berufen sich dabei auf Gott und die Bibel. Mit ihren Vorstellungen sind sie nicht allein, in der gesamten Gesellschaft erleben wir das Erstarken nationaler, konservativer und antifeministischer Positionen. Der Antifeminismus verbindet reaktionäre Strömungen, von der CDU/CSU, über die AfD bis zu Personen der extremen Rechten. Es kommt vermehrt zu Hetze gegen Frauen, queere Menschen/LGBTIQ*, Rassismus wird immer unverhohlener geäußert. Wir stellen uns gegen menschenfeindliche Positionen und fordern reproduktive Rechte für alle. Dazu gehört auch das Recht auf Abtreibung. Denn nur wenn es einen legalen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen gibt, werden Schwangere vor den tödlichen Folgen unsicherer Abtreibungen geschützt. In Ländern, in denen es keinen sicheren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen gibt, sehen wir, dass die Zahl an unsicheren Abtreibungen mit Todesfolge besonders hoch ist. Verbote verhindern Abtreibungen nicht, sie führen lediglich dazu, dass Menschen daran sterben.

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Wasser und Leben: Frauen, Rechte und Umwelt

Der folgende Text ist Teil unseres Dossiers zu internationalen Perspektiven und Solidarität in der Corona-Krise.

Statement von Claudia (Chiapas/Südmexiko)

Angesichts dieser Krise des Kapitalismus ist die Situation im Bundesstaat Chiapas in Südmexiko sehr komplex. Wir gehören national zu den am stärksten verarmten Bundesstaaten und haben erhebliche Gesundheitsprobleme, die mit dem mangelnden Zugang zu Wasser vor allem in den indigenen und ländlichen Comunidades zu tun haben. Der Großteil der Bevölkerung verdient nur das Geringste für das tägliche Überleben. Continue reading „Wasser und Leben: Frauen, Rechte und Umwelt“

Nach vier Wochen zuhause wächst bei vielen die Sorge um ihre Zukunft

Der folgende Text ist Teil unseres Dossiers zu internationalen Perspektiven und Solidarität in der Corona-Krise.

Anonymes Statement (Rom/Italien)

Wir befinden uns in Italien in der fünften Woche des landesweiten Lockdowns. Lockdown bedeutet hier, dass die Menschen ihre Wohnungen nur noch in Ausnahmenfällen und zum Kaufen von Lebensmitteln verlassen dürfen. Die folgenden Punkte scheinen mir für einen emanzipatorischen Blick auf die Ereignisse wichtig: Continue reading „Nach vier Wochen zuhause wächst bei vielen die Sorge um ihre Zukunft“

Solidarität hört nicht an der Wohnungstür auf

In der Corona-Krise wird viel von Solidarität gesprochen. Nachbarschaftsgruppen vernetzen sich. Es gibt Gabenzäune und Online-Petitionen. Gleichzeitig bestehen die strukturellen Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft fort und spitzen sich sogar noch zu. Continue reading „Solidarität hört nicht an der Wohnungstür auf“

Schwangerschaftsabbruch und fleißige Fundis im Home Office

In der sogenannten Corona-Krise zeigt sich, wie schlecht das deutsche Gesundheitssystem auf eine derartige Pandemie vorbereitet ist. Aber die Engpässe zeigen auch mehr als deutlich die Resultate einer kapitalistischen Gewinnausrichtung im Gesundheitsbereich – und offenbaren jene Stellen im System, wo auch schon vor Corona die Versorgungslage völlig unzureichend war. Dazu zählt in Deutschland der Schwangerschaftsabbruch.

Ein Beitrag vom Berliner Bündnis What the fuck?! *aze ist seit vielen Jahren Teil des queerfeministischen Zusammenschlusses.

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Warum eine flint*-only Demo?

Warum diese Demo eine flint*-only Demo ist: 

Zunächst: Das ist unser Abend und unsere Demo! Wir wollen diese selbst gestalten, so wie wir Lust drauf haben! Was ist daran so schwer zu verstehen?

We take back the streets and the night 

„Wir werden uns nicht aus öffentlichen Räumen zurückziehen, sondern wir wollen, dass sie sich verändern, damit wir uns wohl fühlen können.“ So steht es im Aufruf, so ist es auch gemeint. Auch wenn es noch ein langer Weg ist. Ein erster Schritt auf diesem Weg ist es, Räume zurück zu erobern. Mit dieser Demo wollen wir flint*s uns Raum nehmen. Raum, der sonst so oft von cis-Männern dominiert wird. Raum, der bei Nacht für viele von uns am unangenehmsten sein kann. Die Vorfälle auf dem Festival „Monis Rache“ haben uns schmerzhaft daran erinnert und unsere Erfahrungen bestätigt: Es gibt keine sicheren Räume für flint*s – weder in (linken) öffentlichen, noch in digitalen Räumen. Blicke, blöde Kommentare, Abwertungen, sexualisierte Übergriffe – all dies ist sexistischer Alltag für viele von uns. Meistens sind cis-Männer diejenigen, von denen Sexismus und sexualisierte Gewalt ausgeht, weswegen ein Ausschluss für die Schaffung von Schutzräumen bei diesen Themen notwendig und wichtig sein kann.  Wir möchten diesen Abend nutzen, um unsere Stimmen und unsere Perspektiven laut(er) und sichtbar(er) zu machen. Wir wollen, dass uns zugehört wird und wir wollen, dass es respektiert und ausgehalten wird, dass wir dieses Mal einfach mal unter uns flint*s sein wollen. Basta. 

Einfach mal weniger Gedanken um Alltagssexismus machen – ist das möglich? 

Wir wollen einfach mal entspannt ohne cis-Typen sein können. Es kann für viele von uns unglaublich entlastend und befreiend sein, einmal nicht in der jahrelang antrainierten „gleich-passiert-wieder-was“-Sicherheitsstellung sein zu müssen. Zum Beispiel dann, wenn eine flint*-Person nachts allein einem oder mehreren cis-Typ(en) auf der Straße begegnet – auch wenn nichts „passiert“ – es ist jedes verdammte Mal aufs Neue anstrengend davon ausgehen zu müssen, gleich wieder mit einem unangenehmen Blick, einem sexistischen Kommentar oder Schlimmerem konfrontiert zu werden. Aber auch im vermeintlich feministischen, linken Miteinander zum Beispiel auf einer Party, beim Plenum oder eben auf einer Demo kann dominantes Verhalten von cis-Typen verletzen und anwesende flint*s einschränken.  Für uns ist es daher wichtig, Räume zu schaffen, in denen wir uns begegnen können ohne ständig gegen sexistische Normalzustände und ohne vorherrschende Rollenbilder kämpfen zu müssen.

Wir brauchen Momente der Verbundenheit und des Empowerments für uns 

In den vergangenen Wochen (und sowieso das ganze Leben lang) haben viele von uns eine schwere Zeit durchmachen müssen. Bei all dieser Scheiße sind aber auch viele wunderbare und stärkende Dinge passiert: Momente der Verbundenheit, des Nicht-Alleinseins, der Solidarität, der gemeinsamen Kämpfe. All dies kann unglaublich empowernd wirken und uns Kraft geben, auch im Alltag weiter kämpferisch zu bleiben. Auf unserer Demo wollen wir uns als flint*s vernetzen und weitere Momente des Empowerments erleben. Wir wollen zusammen Parolen rufen, wütend und traurig sein und uns darüber freuen, was wir gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass es für einige flint*s entspannter sein kann, sich auszuprobieren, wenn keine cis-Männer präsent sind – bspw. indem sie die Moderation der Demo übernehmen oder die erste Person sind, die eine Parole rufen, etc. Für einige von uns ist das die Voraussetzung, um überhaupt an der Demo teilnehmen zu können. 

Betroffen sind wir alle – mit einem entscheidenden Unterschied

 Klar, auch cis-Männer sind vom Patriarchat betroffen. Und auch auf dem Festival „Monis Rache“ wurden scheinbar alle Menschen gefilmt, die das Dixie-Klo besucht haben. Aber: nur Videos von Menschen, die als „weiblich“ gelesen wurden, wurden offensichtlich online gestellt und verbreitet. Zudem haben viele von uns in den letzten Wochen sehr verletzende Erfahrungen machen müssen – auch bzw. vor allem mit sog. linken cis-Typen: von absolutem Schweigen zu der ganzen Sache über „ach komm, was ist denn daran nun so schlimm“ bis hin zu „auf keinen Fall hätte das ein cis-Typ von uns sein können“ war alles dabei.  Es sind flint*s, die überwiegend vom patriarchalen System benachteiligt werden. Auch sich selbst als feministisch bezeichnende cis-Männer können patriarchale Strukturen reproduzieren und dadurch anwesende flint*s einschränken. Wir werden ohne cis-Männer demonstrieren, um auf die Privilegien aufmerksam zu machen, mit denen die Kategorie cis-Mann verbunden ist (auch wenn uns klar ist, dass nicht alle cis-Männer die gleichen Privilegien haben). 

Sexismus und sexualisierte Gewalt geht uns alle an 

Wir begrüßen es sehr – und es ist verdammt auch nochmal notwendig!! – wenn sich cis-Typen intensiv mit der ihnen zugewiesenen Geschlechterrolle sowie den sich daraus ergebenden Privilegien beschäftigen. Wir erwarten außerdem, dass sich cis-Männer Räume schaffen und sich kritisch mit patriarchaler Gewalt auseinandersetzen. Denn Sexismus und sexualisierte Gewalt geht uns alle an und sollte nicht wieder denen überlassen werden, die stärker davon betroffen sind. Daher müssen wir alle den Kampf gegen das Patriarchat kämpfen! Nur weil wir eine Demo machen, die cis-Tpyen ausschließt, heißt das nicht, dass wir nicht gemeinsam (weiter) kämpfen wollen und müssen.